Teehaus-Trebbow

Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg

 

Schulenburgs Weg in den Widerstand

Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg wird 1902 in London als Sohn des deutschen Militärattachés geboren. Er wächst in einem stark konservativen, evangelischen Elternhaus auf, das von der militärischen Karriere des Vaters und dem sozialen Engagement der Mutter geprägt ist. Nach seinem Jurastudium beginnt Schulenburg eine äußerst erfolgreiche Laufbahn in der inneren Verwaltung. 1933 ist er Leiter des Politischen Amtes der NSDAP-Gauleitung Ostpreußen, 1937 wird er Polizeivizepräsident von Berlin. Zwei Jahre später wechselt er ins Oberpräsidium nach Breslau, wo er 1941 Regierungspräsident wird. Es folgen militärische Verwendungen an der Ostfront und Tätigkeiten in verschiedenen Ministerien.

Wie viele Beteiligte des 20. Juli 1944 ist auch Schulenburg kein Widerstandskämpfer der ersten Stunde. Die Weimarer Republik lehnt er ab und die Machtübernahme Adolf Hitlers begrüßt er. 1932 tritt er in die NSDAP ein und unterstützt aktiv die „Gleichschaltung“ der Verwaltung. Mit Begeisterung möchte er sich an dem Aufbau eines autoritären nationalsozialistischen Reiches beteiligen, das er in der Tradition des alten preußischen Staates sieht.

Nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus löst sich der anfänglich begeisterte Parteigänger Schulenburg schließlich vollständig vom NS-Regime. Die Inkompetenz und Korruption der NS-Elite sowie die Verbrechen und die Kriegspolitik Hitlers und seiner Anhänger lassen Schulenburg zweifeln und schließlich zu einem kompromisslosen Gegner des NS-Regimes werden. Nur wenige setzen sich so entschieden und aktiv für den Umsturz ein wie er. Als Attentäter kommt er nicht in Frage, da er keinen Zugang zur NS-Führungsspitze hat. Doch wirkt er unermüdlich im Hintergrund, wirbt neue Mitverschwörer und überzeugt sie von der Notwendigkeit des Handelns. Schulenburg verfügt über ein breites Kontaktnetz und wird vor allem als Vermittler zwischen den verschiedenen Personen und Gruppen des Widerstands tätig.

Er beteiligt sich aktiv am Umsturzversuch vom 20. Juli 1944. Am 10. August 1944 wird er zum Tode verurteilt und hingerichtet.         

 

Schulenburgs Kontakte zum Widerstand

Schulenburg pflegt wie kaum ein anderer Mitverschwörer zahlreiche Kontakte zu den verschiedensten Widerstandskreisen. Als beliebter und lebenslustiger Zeitgenosse hat er einen großen Freundeskreis – zunächst hauptsächlich im nationalkonservativen Milieu, später auch in anderen Gesellschaftsschichten. Schulenburgs vielseitige berufliche Laufbahn ermöglicht es ihm, zudem vielfältige dienstliche Kontakte aufzubauen, die er für den Widerstand nutzen kann.

Zu seinen frühen und engsten Vertrauten gehören Peter Graf Yorck von Wartenburg, Ulrich-Wilhelm Graf von Schwerin, Cäsar von Hofacker, Adam von Trott zu Solz, Albrecht von Kessel und später auch die Brüder Berthold und Claus Schenk Graf von Stauffenberg sowie der etwas ältere Nikolaus Graf von Üxküll. Jeder dieser Freunde gehört auch zu anderen Gruppen des Widerstands. Sie zählen zum Kreisauer Kreis, zu den Oppositionellen im Auswärtigen Amt oder zu den Militärs, die zum Umsturz bereit sind. Einige – wie auch Schulenburg selbst – sind Zivilisten, die im Krieg als Reserveoffiziere in der Wehrmacht dienen. Sie vermögen in besonderer Weise die Verbindungen zwischen zivilem und militärischem Widerstand herzustellen. Gezielt sucht Schulenburg während des Krieges auch Kontakt zu oppositionellen Sozialdemokraten und Gewerkschaftern im Untergrund.

 

 

 

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